Kinderbuchautor Paul Weiß liest an der Grundschule Thalhofen
„Es gibt einen Platz auf der Erde, der ist so schön, so einsam, so voll Ruhe und Kraft und Frieden, dass man keinem Menschen verraten darf, wo er liegt.“ (Paul Weiß: „Das verborgene Tal“, S. 5)


Am vergangenen Mittwoch stellte der aus Kaufbeuren stammende Kinderbuchautor Paul Weiß sein Kinderbuch „Das verborgene Tal“ in der Grundschule Thalhofen vor. Die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen hatten das Buch bereits vorab als Klassenlektüre gelesen und teils in szenischen Stellagen umgesetzt. Sie waren sehr gespannt, den Autor persönlich kennen zu lernen und noch mehr über den Inhalt und die Entstehung des Kinderbuches zu erfahren. Der talentierte Schriftsteller konnte den interessierten Schülerinnen und Schüler auch seine zeichnerische Kunst vorstellen. Einige Skizzenbücher, in denen er kapitelbegleitende Bildfragmente seines Kinderbuches entwickelte, gab er den Schülern persönlich an die Hand. Die Kinder waren fasziniert von der von Paul Weiß gezeichneten Welt und ließen sich von seinen kreativen Darstellungen gerne in das ferne Indien entführen. Die Geschichte einer fünfköpfigen deutsch-indischen Familie, die im indischen Dschungel strandet, sowie die Abenteuer der Kinder mit Tieren, indischer Kultur und Natur, entstammt zwar der reinen Fantasie des Künstlers, gründet jedoch stets auf autobiografischem Bezug, wie Paul Weiß im Interview mit den Schülern deutlich machte.
Der Kinderbuchautor aus dem nahen Hirschzell bei Kaufbeuren stand den Schülerinnen und Schülern der Klasse 3b mit ihrer Lehrerin Elisabeth Stiefenhofer geduldig Rede und Antwort. Die beliebtesten Fragen beantwortete Herr Weiß so:
SuS:  Wie haben Sie die Geschichte erfunden? Wie sind sie auf die Idee für das Buch gekommen?
P.W.: In meinem Buch kommt vieles vor, was mir in meinem Leben schon einmal begegnet  ist oder was ich besonders interessant finde. Ich stelle mir dazu eine Geschichte vor, aber vor allem zeichne ich Bilder dazu. Das hilft mir, mich in meine Geschichte hineinzuversetzen. Mein Leben war noch geprägt von Kriegszeiten und Nachkriegszeiten. Wir waren nach dem zweiten Weltkrieg alle arm, wir konnten uns nur das Nötigste leisten, hatten nur im Winter Schuhe und kaum Spielzeug. Da wurden wir sehr erfinderisch.
SuS: Haben Sie die Geschichte frei erfunden oder sind Teile davon wahr?
P.W.: Wie schon gesagt, die Orte und Begebenheiten, die ich für meine Geschichte ausgewählt habe, sind zwar Dinge aus der Realität, die Geschichte selbst aber entstammt reiner Fantasie. Auch das Land Indien, in dem mein Buch spielt, habe ich bis jetzt noch nicht besucht. Jedoch hat meine Tochter dort lange Zeit gelebt. Aus ihren Erzählungen über Indien habe ich die Namen der Kinder und einige Naturbeschreibungen entnommen. Das „Verborgene Tal“ könnte es so durchaus geben.
SuS: Malen Sie die Bilder in Ihrem Buch selbst?
P.W.: Ja, ich habe die Bilder in meinem Kinderbuch alle selbst gezeichnet und entwickelt. Dafür verwende ich ein Skizzenheft, in dem ich meine Ideen sammle und gestalte. Diese entwickle ich dann weiter zu einer Geschichte.
SuS: Haben Sie als Kind auch viele Abenteuer erlebt?
P.W.: Ja, wir sind viel auf Bäume geklettert! Das mache ich heute noch an meiner eigenen Kletterwand auf der Rückseite meines Hauses. So halte ich mich fast jeden Tag fit!
SuS: Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben?
P.W.: Das Buch „Das verborgene Tal“ ist mein erstes und bis jetzt einziges Buch, das veröffentlicht wurde. An diesem Buch habe ich täglich mindestens 3 Stunden und insgesamt 5 Jahre lang geschrieben. Als ich zu Schreiben begonnen habe , wusste ich eigentlich gar nicht, wie man Kinderbücher schreibt. Ich habe einfach darauf los geschrieben und irgendwann gemerkt, dass ich nicht mehr weiterkomme. Deshalb habe ich mich entscheiden, im Fernstudium einen Lehrgang zum Thema „Kinderbücher selbst schreiben“ zu absolvieren. Dieser Lehrgang hat etwa drei Jahre lang gedauert. Ich musste Vorentwürfe meiner Buchkapitel einreichen und immer wieder überarbeiten. Das war eigentlich die meiste Arbeit: das Feilen an der Sprache.
SuS: Werden Sie noch weitere Bücher schreiben oder planen Sie schon eine Fortsetzung ihres Buches „Das verborgene Tal?“
P.W.: Derzeit arbeite ich tatsächlich an einem neuen Projekt: Ich schreibe die Fortsetzung zu meinem aktuellen Buch „Das verborgene Tal“.
SuS: Für das Gelingen Ihres nächsten Projektes wünschen wir Ihnen viel Glück und gutes Gelingen!

„Ich wusste: Dieser schönste Platz auf der Erde wird mir fehlen, besonders der Bach und der kleine See und der Rabenhorst und die Abende auf der Terrasse des Sternenhimmelhauses, gleich unter den Sternen. Und Zampi fehlt mir sowieso. Und vielleicht vermisse ich dann sogar den Theodor. Und ich spürte, dass man nicht nur Menschen und Tiere lieb haben kann, sondern auch Täler. (Paul Weiß: „Das verborgene Tal“, S. 78f.)

Kurze Inhaltsbeschreibung des im Bauer-Verlag erschienenen Buches (ISBN 978-3-95551-000-8):
(aus dem Klappentext)
Im indischen Urwald liegt ein zauberhaftes Tal, das für die Menschen bisher unerreichbar war, weil sein Eingang durch einen Bergsturz verschüttet wurde. Aber ein Elternpaar aus Deutschland schafft es, mit seinen drei Kindern hineinzuklettern. Und damit beginnen für Ram, Lisa und Zappi abenteuerliche Ferien. Ein funkelnder See, ein Haus auf der Spitze eines Felsturmes und gruselige Höhlen warten auf die Kinder und auf die Leser von 6 bis 96 Jahren.